mysteriös

16. Juli 2010

Ich steige aus der S-Bahn aus, und laufe nach Hause. Es ist 00:30Uhr. Die Straße ist mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Mehrere Polizeiautos und dazugehörige Polizisten sind zusehen. Sonst nichts. Kein Unfall, keine Menschenansammlung, kein eingeschlagenes Fenster. Nichst Ungewöhnliches oder Auffälliges. Nur zwei Streifenwagen, ein Kleinbus der Polizei, Flatterband und 5-10 dazugehörige Uniformierte. Direkt vor meiner Haustür. Das Flatterband ist so gespannt, das nur ein wenige Meter langer Abschnitt der Straße abgetrennt ist. Von der Hausecke zur Hauptstraße, bis einige Meter in meine Seitenstraße hinein. Innerhalb dieses Bereichs befinden sich nur einige geparkte Autos, die Auffahrt zu einer S-Bahn Baustelle, und meine Haustür. Es gibt keine Möglichkeit zu meiner Haustür zu gelangen, ohne unter dem Flatterband durch zu tauchen. Da ich annehme, dass es den herumstehenden Beamten nicht sehr gefallen würde, wenn ich das einfach mache, spreche ich einen an. Ich erkläre ihm dass ich dort wohne und gerne nach Hause gehen würde. Er fragt kurz nach und begleitet mich dann zur Haustür. Dabei wird er von seinem Kollegen oder Vorgesetzten darauf hingewiesen, er solle mit mir nicht auf der Straße sondern auf dem Fußweg laufen. Ein komischer Hinweis, da die Straße ja gesperrt ist. Ich bin insgesamt ziemlich irritiert und steige die Treppen zu meiner Wohnung hinauf.

(0:45)

Nun sitze ich auf dem Balkon, versuche einen Blick auf das Geschehen zu erhaschen und schreibe an diesem Blogeintrag. Momentan gibt es nicht viel zusehen. Es ist ein weiterer Streifenwagen und ein weiterer Kleinbus aufgetaucht. Außerdem sehe ich nun auch einen Fotographen und einen Kameramann. Aber bisher noch immer keinen Grund warum sie alle hier sind. Direkt vor meinem Haus, mitten in der Nacht.

Ich kann nur wild spekulieren, was sie hier her führt. Schwarzarbeiter auf der Baustelle? Ne, da ist grad niemand. Ein Drogenhändlerring? Ne, dafür ist das hier die falsche Gegend. Eine Terrorzelle in meinem Haus? Ne, dann hätten sie mich nicht so einfach reingehen lassen. Ich habe keine wirklich sinnvolle Idee, was sie hier wollen. Aber sie scheinen auf etwas zuwarten. Auf die letze S-Bahn und somit die Unterbrechung des Zugverkehrs? Auf eine Horde Hooligans? Auf eine Zombieinvasion? Auf die Landung von Außerirdischen? Wie gesagt, mein Schatz an guten Ideen hält sich in Grenzen.Ich kann nur beobachten und abwarten.

(1:00)

Mittlerweile ist noch ein weiterer Kleinbus eingetroffen. Er ist nicht als polizeifarben und sein Kennzeichen beginnt mit den Buchstaben B:KA. Heißt dass er ist vom Bundeskriminalamt? Keine Ahnung, aber jetzt sind auch einige Männer ohne Uniform sichtbar, die zum Teil Einweghandschuhe tragen. Außerdem riecht es ein bisschen wie am Morgen nach Silvester, nach Feuerwerk. Aber vielleicht bilde ich mir das auch ein. Langsam würd ich schon gern wissen, was hier los ist.

(1:20)

Es blitzt ein paarmal, der Photograph macht Bilder, wovon kann ich nicht sehen. Ich kann nur einen Teil des abgesperrten Bereichs einsehen. Die nicht-Uniformierten, aber Behandschuhten, packten braune Papertüten in ihren Waagen. Anschließend streifen sie ihre handschuhe ab und rauchen eine Zigarette. Einige der Uniformierten verabschieden sich. Das Flatterband wird entfernt.

(1:30)

Vier Autos tauchen auf, aus deinen weitere Personen in zivil aussteigen und sich mit den bereits Anwesenden besprechen. Dann kann ich sie nicht mehr sehen. Sind sie in die Bank im Erdgeschoss des Eckhauses gegangen, oder nur hinter der Ecke verschwunden?

(1:40)

Drei der vier Autos sind wieder abgefahren. Jetzt ist nur noch ein Auto und ein Kleinbus da. Beide nicht polizeifarben. Sie stehen auch nicht mehr quer auf der Straße sondern ordentlich geparkt am Straßenrand. Immer noch ist mir unklar, was hier eigentlich los war/ist. Es war bisher nichts zusehen, außer das Kommen und Gehen vom Beamten und Flatterband.

(2:00)

Alle Fahrzeuge sind weg. Dieser Polizeieinsatz scheint zu Ende zusein, bevor ich raus bekomme, warum er eigentlich stattfand. Da werde ich wohl morgen mal die Pressemitteilungen der Polizei und die Zeitungen studieren. Auch mein Zimmer ist mittlerweile so weit abgekühlt, dass ich zu Bett gehen kann.

Nadann gute Nacht.

Edit: Nächster Tag 16 Uhr.

Heute ließ sich an Hand von Zeitungsberichten und einer Pressemitteilung der Polizei klären was los war. Die polizeiliche Aktivität die ich gesehen hatte, diente der Spurensicherung, da es auf der Straße einigen Stunden vorher zu einer Messerstecherei gekommen war, die den Angegriffenen ins Krankenhaus beförderte. Die BZ vermutet es könnte sich um einen Streit im Rockermilieu handeln. Naja wer weiß, was da dran ist. Sowas hatte ich nun wirklich nicht vermutet. Kurzzeitig stelle ich mir die Frage, ob ich mich jetzt hier in der Gegend fürchten solle. Ich entscheide mich dagegen. Anscheinend handelte es sich um einen Streit unter ganz bestimmten Leuten, und nicht um einen Angriff auf Passanten. Außerdem ist dies das erste Mal, dass hier so was passiert, seit ich hier wohne. Ich weigere mich also die Gegend gefährlicher als vorher einzuschätzen.


… ein Kranz

30. Juni 2010

Neulich lief ich durch den Tiergarten und sah nicht nur Kaninchen sondern auch das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Dort waren, vermutlich anlässlich des CSD, Kränze niedergelegt worden. Die Kränze waren schon nicht mehr so richtig frisch, aber die Kranzschleifen gaben Auskunft, von wem sie stammten. Da gab es einen vom Regierenden Oberbürgermeister, einen vom CSD, einen vom LSVD und je einen von den im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien. Allerdings fehlte ein Kranz der CDU. Verwundert lief ich noch einmal um das Denkmal herum, konnte aber keinen finden. War er geklaut worden? Hatte es nie einen gegeben? Ich weiß es nicht.

Sollte er geklaut worden sein, ist das einfach frech. Sollte er nie existiert haben ist das ein Skandal, denn das würde bedeuten, dass die CDU es nicht für nötig hält, den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken. Was für ein Armutszeugnis wäre dies für die CDU! Leider weiß ich nicht warum von ihnen kein Kranz da war. Vielleicht war jemand bei der Niederlegung anwesend und kann zur Aufklärung beitragen?


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…heldenhaft

30. März 2010

Bin ich ein Held, nur weil ich versuche nachhaltig zu konsumieren?

Laut den Veranstalltern der Verbrauchermesse für nachhaltigen Konsum, kurz Heldenmarkt, anscheinend schon. Heldenmarkt klingt ganz schön hochtrabend. Naja jedenfalls ist der Name einprägsam. Am letzten Sonntag besuchte ich also besagten Markt im Postbahnhof am Ostbahnhof. Als ich gegen 16 Uhr dort ankam, gab es eine Schlange am Eingang und ich musste ca. eine Viertelstunde warten bis ich reinkam. Das war schonmal die erste Überraschung. In der oberen Etage des Postbahnhofs waren ca. 60 Stände aufgebaut, von Babyklamotten über Designprodukten bis hin zu Geldanlagen, Motorrädern und Unicef war eine große Bandbreite von Ausstellern dabei. Insgesamt hatte ich mir das Ganze etwas größer vorgestellt, aber es herrschte ein reges Treiben und ich verbrachte anderthalb Stunden damit mich bei den verschiedenen Ständen umzuschauen. Es waren viele Dinge dabei, die ich schon kannte, z.B. Lichtblick und ein Weltladen, aber auch mir unbekanntes wie z.B. KaWeDe und der Berliner Laden “schœner.wærs.wenns.schœner.wær”. Insgesamt also ein interessanter Nachmittag, an dem ich einiges gekauft und viel anregendes gesehen habe. Einziger Wermutstropfen, als ich gerade dabei war eine Unterschriftenliste gegen Gentechnik bei McDonalds auszufüllen wurde ich von dem Foodwatch Aktiven gefragt, ob ich den schon achtzehn sei. Was für ne Frechheit! ;)


…die Hauptstadt der Demonstranten

5. Januar 2010

So zu lesen auf tagesspiegel.de . Da ich selbst im letzten Jahr ein paar mal demonstrieren war, fand ich den Artikel interessant und weitestgehend zutreffend. Allerdings frage ich mich ab wann eine Demonstration als gewalttätig eingestuft wird. Von den im Artikel genannten 2754 Demonstrationen waren also 16 gewalttätig. Das sind etwa 0,6%. Eigentlich wenig, oder? Was ist dafür der Maßstab?

Gilt eine Demo als gewalttätig wenn ein Polizist verletzt wird? Oder wenn ein Demonstrant zusammen geschlagen wird? Oder wenn Sachen geworfen werden, aber keine Personen getroffen werden? Oder wenn ein unliebsames Wahlplakat beschädigt wird? Sind ja alles Formen von Gewalt, oder? Ich werde aus dieser Statistik nicht wirklich schlau. Schade, so bleibt sie für mich wenig aussagekräftig.

Was man aus der Statistik aber schließen kann, ist, dass es in Berlin täglich 7-8 Demonstrationen gibt. Da haben Demonstranten und Polizei ja allerhand zutun.


… sportlich

22. August 2009

“Kommen die etwa alle vom Sport?”

Ich bin auf dem Weg zu einem Grillabend in der Nähe der Berliner Messe. Als ich gegen 21Uhr an der Station Messe Süd aussteige scheint die ganze Gegend wie ausgestorben. Ich fühle mich wie am Ende der Welt. Als ich zweieinhalb Stunden später an der gleichen Station wieder einsteigen will, ist die S-Bahn heillos überfüllt und ich muss mich zwischen die anderen stehenden Fahrgäste quetschen um überhaupt mitfahren zukönnen. Der verwirrte Ausspruch eines andere Fahrgastes “Kommen die etwa alle vom Sport?” bringt mich auf die Idee, was all diese Menschen hier machen. Sie sind Zuschauer der Leichtathletik-Weltmeisterschaft.

Nicht nur bei der Messe sondern in der ganzen Stadt ist es kaum zu übersehen, Berlin ist im Leichtathletik-Fieber. Überall sieht man Menschen in betont sportlichen Klamotten mit Fähnchen und anderen Fanartikeln. Zwischendrin immer wieder Leute die Plastikkarten um den Hals hängen haben. Wenn man sich diese genauer anschaut, erkennt man dass es sich um Zugangsberechtigungskarten für die Spielstätten handelt. Da ließt man dann Dinge wie “Athlet Great Britain” oder “Coach Great Britain”. Außerdem findet sich auf diesen Karten auch der Name der Person. Ich hab mir dann auch gleich den Namen des athletischen Mannes, neben dem ich neulich in der S-Bahn stand, gemerkt und ihn auf der Internetseite der IAAF nachgeschlagen. Deshalb weiß ich, dass er den 7. Platz im Halbfinale des 400m-Laufes gemacht hat. Interessant. Ich versteh zwar nicht, warum die Leute ihre Schilder nicht abnehmen, wenn sie zum Shoppen in die Stadt gehen. Aber ich werde die Augen offen halten, wen ich sonst noch erspähen kann.



…eine Wiese

25. Juni 2009

Wie mäht man eine riesige Wiese? Mit einem riesigen Rasenmäher!

Da es der Initiative “Squat Tempelhof” nicht gelungen ist, den ehemalige Flughafen zu besetzen, fahre ich wiedermal mit der S-Bahn an einem langen Stacheldrahtzaun entlang und schaue auf das Tempelhofer Feld. Doch heute sehe ich nicht nur Gras und Blumen, sondern auch einen riesigen Rasenmäher, der dem schönen Grün zu Leibe rückt. Jetzt wird wohl nicht so schnell Gras über die ganze Sache wachsen.Kleiner Mäher auf großem Feld

Großer Mäher auf großem Feld



… aus gebogenem Stahl

12. Mai 2009

Da steht es: Berlin. In voller Pracht. Es leuchtet in der Sonne, es ist groß und gebogen. 

Die Rede ist von der Skulptur “Berlin” des Künstlerehepaars Matschinsky-Denninghoff, das auf der Tauentzienstraße unweit der Gedächtniskirche aufgestellt ist. Seit 1987 steht die massive Skulptur aus Stahl dort. Titel und Form verknüpfen es eng mit der Stadt. Die Skulptur ist zweigeteilt, aber doch sind die beiden Teile eng verschlungen. Sie greifen ineinander doch sie berühren sich nicht. Geteilt und doch zusammen. Eine treffende Darstellung der Situation zum Entstehungszeitpunkt. Doch wie ist das heute? Ist Berlin immer noch so geteilt? Oder sollten sich die beiden Teile eng aneinander schmiegen?

 Während ich mich das frage, setzt sich eine Taube auf die Skulptur und ich wende meine Aufmerksamkeit dem künstlerischen Aspekt der Skulptur zu. Sie ist riesig und glänzend. Sie ähnelt einem Bündel aus dicken Stahlseilen, das die eigentlich Form bildet. Für ihre Größe ist sie erstaunlich fließend und dynamisch. Steh man an der richtigen Stelle, kann man durch den Bogen die Gedächtniskirche sehen. Wie eingerahmt steht sie da. Menschen und Autos strömen vorbei. Irgendwie wirkt dieses mächtige Gebilde hier deplatziert. Ringsherum eine glitzernde Shopping-Welt: Plakate, Marken, Einkaufstüten, Touristen. In all dem wirkt diese Skulptur wie ein Anker. Eine Stelle zum festhalten. Fest, echt, beständig. Das ist Berlin, geteilt, vereint, uneindeutig, echt. Nicht wie die künstliche Einkaufswelt die sich rings um diese Skulptur ausbreitet und die sich nur Touristen leisten können. Nein so ist Berlin nicht, und so soll es auch nicht werden.

Berlin SkulpturBerlin Skulptur GroßBerlin Skulptur DetailBerlin Skulptur Detail 2Berlin Skulptur StrukturBerlin Skulptur + Gedächtniskirche


…ein Queue

6. April 2009

Was Leute so alles mit sich rumtragen!

Ich sitze in der U-Bahn, auf einer dieser unbequemen, langen Bänke die längs zur Fahrtrichtung entlang der Zugwand angebracht sind. Wenn man dort sitzt, fährt man gleichzeitig vorwärts und rückwärts. Jedenfalls steigt ein junger Mann ein und setzt sich, mir gegenüber. Er ist gut gekleidet, sieht gepflegt aus. Doch was meine Aufmerksamkeit erregt ist sein Gepäck. Eine längliche schwarze Tasche. Sieht ein bisschen wie eine Plakatrolle aus; nur etwas breiter. Was da wohl drin ist? Schon nach kurzer Zeit wird meine Neugier gestillt. Er beginnt in seiner Tasche zu kramen, und bringt einen langen, dünnen Stock zum Vorschein. Beim zweiten Hinsehen wird mir klar, dass es sich um den unteren Teil eines Billard-Queues handelt. Kurz darauf kommt auch die andere Hälfte zum Vorschein. Er beginnt das Ende zu inspizieren, holt ein kleines Werkzeug heraus und bearbeitet die Spitze damit. Schließlich trägt er Kreide auf und bläst sie wieder weg. Die ganze Zeit wirkt er angespannt und hoch konzentriert.

Der Queue ist fertig, er ist konzentriert, dass Spiel kann beginnen. Doch wo ist der Billardtisch? Wann werden endlich Billardtische in U-Bahnen eingebaut?


…nicht Neapel

6. April 2009

Der Müll wird abgeholt. Nur wie?

Heute morgen war ich ausgesprochen früh wach. Ein Blick aus dem Fenster lieferte mir endlich die Antwort auf eine Frage, die ich mir schon seit einiger Zeit stelle.

Wie wird bei uns der Müll abgeholt? Er wird abgeholt, soviel weiß ich. Die Mülltonnen für das Haus, in dem ich wohne, stehen im Hinterhof und bisher gab es noch nie Müllberge, die an Bilder aus Neapel erinnert hätten. Doch wie kann das sein? Der Hof ist nur vom Haus aus zu erreichen. Es gibt keine Zufahrt. Niemand stellt den Müll an die Straße. Wie wird er also beräumt?

Diese Frage hat sich nun geklärt. Mein morgendlicher Blick aus dem Fenster, fiel auf einen Mitarbeiter der BSR, der gerade jede Tonne einzeln vom Hof, durch den Hausflur bis auf die Straße beförderte. Wo er sie im Müllauto auskippte. Auf unserem Hof befinden sich sechzehn Mülltonnen. Da hat er einiges zutun. Zwar werden nicht alle gleichzeitig geleert, aber auch die Nachbarhäuser haben Hinterhöfe. Die Müllabfuhr muss also in der ganzen Umgebung und sicherlich auch in anderen Teilen der Stadt per Hand erfolgen. Was für ein Job!

Da taucht auch schon eine neue Frage auf. Wie sind die Müllmänner ins Haus gekommen? Geklingelt haben sie nicht, dass hört man nämlich durchs ganze Treppenhaus. Diese Frage kann ich glücklicherweise mit einer kurzen Internet Suche beantworten. Es gibt spezielle Schlüsseltresore. Da hat sich ja wirklich mal jemand was gedacht, und ich weiß jetzt was dieses komische Schloss an der Hauswand ist.


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