Die preiswerteste und bequemste Möglichkeit um von Berlin nach Wien zukommen ist wohl der EuroCity. Innerhalb von 10h kommt man ohne Umsteigen ans Ziel. Besagter EuroCity verbindet die schönsten Städte Mitteleuropas. Das Berlin schön ist, habe ich in meiner bisherigen Zeit in Berlin schon lernen dürfen. Es ist zwar auf eine raue Art schön, aber es ist auf jeden Fall schön. Von da geht es nach Dresden. Elbflorenz, Perle an der Elbe, Barockstadt, Heimat der Brücke, kurz die schönste Stadt an der Strecke. Anschließend fährt der Zug durch Prag, eine weitere facettenreiche Schönheit um schließlich Wien die Stadt des Walzers, des Kaffeehauses und der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie zu erreichen.
Ein Reisebericht:
8:43 Uhr
Ich stehe leicht panisch am Bahnhof Südkreuz. Eigentlich sollte der Zug jetzt abfahren, aber er ist zum Glück noch nicht da. Ich warte auf meine Mitbewohnerin, die mit der nächsten S-Bahn kommt um mir nachzutragen was ich vergessen habe. Hoffentlich kommt sie vor meinem Zug an. Ich drücke beide Daumen. Da ist sie. Ich bekomme mein vergessenes Computerkabel und sie eine Umarmung. Da fährt auch schon der Zug ein und ich mache mich auf den Weg. Zehn Stunden werde ich nun in diesem Zug verbringen. Es ist kein ICE, der Zug hat Fenster die man öffnen kann und die Temperaturen sind heute auch nicht so hoch. Also sollte alles gut gehen.
11:00 Uhr
Wir fahren durch Dresden. Viel ist nicht zusehen, die bekannten Bauten wie Zwinger, Frauenkirche oder Schloss sind nicht auszumachen. Naja, da haben die Städteplaner etwas richtig gemacht und die Eisenbahntrasse nicht quer durch die Innenstadt gelegt. Sonst sind die Dresdner Städteplaner ja nicht für Zurückhaltung und Rücksicht gegenüber der Landschaft bekannt. Siehe Waldschlößchenbrücke. Die Mitfahrenden verändern sich, sie werden jünger und vielsprachiger. Mehr Rucksäcke, weniger Laptoptaschen und Aktenkoffer.
11:30 Uhr
Der Zug fährt gemächlich durch die Sächsische Schweiz. Immer entlang der Elbe mit schönem Blick auf die Landschaft auf der anderen Elbseite. Ich werde nostalgisch. Wie viele Wochen meiner Kindheit habe ich in den vorbeiziehenden Orten verbracht. Ich kenne sie alle, Rathen, Königsstein, Wehlen, Bad Schandau und die Anderen. Im vorbeifahren sehe ich bekannte Straßenzüge, Kirchen, Felsen und Cafés. Wie oft war ich hier auf Kinderfreizeiten und Klassenfahrt oder zum Wochenendwandern mit Oma oder Eltern. In jedem zweiten Café, dass ich erblicke habe ich schonmal ein Eis gegessen. Die Landschaft ist voller Erinnerungen. Wir nähern uns immer mehr der Tschechischen Grenze.
11:51Uhr
Mein Handy macht sich bemerkbar. Ich telefoniere jetzt mit OSKAR und zahle 13ct/SMS. Na das ist doch okay. Die Grenze habe ich verpasst. Keine Grenzstation, keine Kontrolle. Nur anhand eines Ortsschildes wusste ich, das wir nun nicht mehr in Deutschland sind. So ist das mit dem Schengenraum. Deutschland hat ja mittlerweile keine EU-Außengrenzen mehr und andere Staaten müssen sich damit herumschlagen die Einreisebestimmungen der EU umzusetzen und ungewollte Einwanderer abzuwehren. Wie viele Zollbeamte und Grenzer sind durch das Schengenabkommen eigentlich arbeitslos geworden?
12.30 Uhr
Ein junger tschechischer Schaffner mit halblangen Haaren und einem beeindruckenden Bart kontrolliert noch einmal meine Fahrkarten. Ich bekomme einen schicken blauen Stempel. Sieht besser aus als der von der DB. Die Landschaft ist mittlerweile wieder flach. Nur in der Ferne sind ein paar Berge zusehen.
Wir durchfahren Prag. Es ist nicht viel von der Stadt zusehen. Die Backpacker steigen aus. Sie haben ihr Ziel erreicht. Dafür steigen nun zahlreiche Tschechen ein, die anscheinend nur bis zur nächsten Station mitfahren, zumindest haben sie kaum Gepäck.
15:40 Uhr
Mein Hintern schmerzt vom langen Sitzen. Mir ist langweilig. Also betrachte ich die Landschaft. Oft stehen Bäume direkt am Bahndamm, sodass ich nicht viel sehe. Ansonsten wechseln sich frischgestrichene mit halbverfallenen Häusern ab. Auf einigen der frischgestrichenen Häusern sehe ich Solarkollektoren. Ab und zu ist eine interessante Dorfkirche zusehen, ansonsten ist die Landschaft hübsch aber langweilig.
16:35 Uhr
Gerade waren wir in Brno. Aus dem Fenster habe ich eine imposante Kirche gesehen. Ein dicker Schaffner kontrolliert schon wieder die Fahrkarten. Ich werde nicht kontrolliert, mich kennt er schon. Zwei Uniformierte (Polizisten? Grenzer?) laufen durch den Zug und schauen im Vorbeilaufen auf jeden Platz. Mein Handy streikt. Ich habe keinen Empfang. Kein OSKAR mehr, nur die Anzeige „Kein Dienst“. Mir ist langweilig, die Landschaft ist jetzt weit, sodass ich minutenlang die gleichen Hügel sehe. An dem am Vordersitz befestigten Klapptisch, klebt ein Kinderpflaster mit lachenden Autos. Ein grünes und ein lilanes Auto auf orangem Grund. Ich versuche meinen Wien Reiseführer zu lesen. Er ist veraltet. Er hat die Einführung des Euros überlebt. Er informiert mich „Die Währungseinheit ist der Schilling (S) zu 100 Groschen (g). Banknoten zu 20, 50, 100, 500, 1000 und 5000 S, Münzen zu….“
18:10 Uhr
Der Zug fährt durch Wien, besser gesagt er fährt durch eine riesige Baustelle. Anscheinend wird gerade ein neuer Bahnhof gebaut und links und rechts der Gleise ist alles aufgegraben. Der Zug kommt schmerzhaft langsam vorran bis er endlich Wien Meidlingen erreicht, und ich aussteige.
Geschafft. Wien hier bin ich.