…im Superwahljahr angekommen

Berlin braucht Ethik oder Religion oder doch lieber beides?

Am Sonntag ist Wahltag, zumindest in Berlin. Nein, hier wurde nicht die Europa- oder Budestagswahl vorgezogen und wir wählen auch keinen neuen Senat bzw. das Abgeordnetenhaus. Am Sonntag gibt es einen Bürgerentscheid. Also technisch gesehen keine Wahl, sondern eine Abstimmung. Dieses Referendum wurde durch die Initiative „Frei Wahl“  , bzw. früher „Pro Reli“ herbeigeführt, welche über Monate hinweg Unterschriften sammelte um Religion als Wahlpflichtfach, gleichberechtigt, neben dem Fach Ethik einzuführen. Die Initiative „Pro Ethik“ hält nun dagegen und kämpft für die Erhaltung des jetzigen Modells. Der Wahlkampf ist voll im Gange und die Stadt ist voller, zum Teil irreführender, Plakate. Die Verwirrung ist groß und viele wissen nicht mehr was sie eigentlich bekommen, wenn sie mit ja oder nein abstimmen.

Also zur kurzen Erklärung:

Modell A:

Es gibt ein verpflichtendes Unterrichtsfach namens Ethik, an dem alle Schüler einer Klasse gemeinsam teilnehmen. Zusätzlich kann, freiwillig, das Fach Religion belegt werden, wobei hier je nach Angebot zwischen evangelischem, katholischem, muslimischem, jüdischem … Religionsunterricht gewählt werden kann. Beide Fächer werden in den Räumen der Schule unterrichtet. Der zusätzliche Religionsunterricht liegt häufig in Randstunden.

Dieses Modell entspricht der momentanen Regelung für Berliner Schulen. Um dieses Modell zu erhalten müsste man am Sonntag mit NEIN stimmen.

Modell B:

Es gibt zwei, gleichberechtigt Unterrichtsfächer, Ethik und Religion. Jeder Schüler (bzw. dessen Eltern wenn er unter 14 ist) entscheidet selbst, welches der beiden Fächer er belegt, muss aber eines belegen. Man kann also weder gar keins noch beide wählen. Wie bei Modell A wird Unterricht in verschiedenen Religionen angeboten. So könnte es zum Beispiel dazu kommen, dass an einer Schule Ethik, katholische Religion, evangelische Religion und muslimische Religion angeboten werden. Jeder Schüler müsste sich dann für eines dieser Fächer entscheiden.

Dieses Modell entspricht den Regelungen in den meisten Bundesländern und ist so im Grundgesetz vorgesehen. Die so genannte „Bremer Klausel“ ermöglicht aber einige Ausnahmen. Wer dieses Modell für Berlin will, müsste am Sonntag mit JA stimmen.

Mittlerweile hat der Wahlkampf der beiden Seiten mit Unterstützung von Parteien, Kirchen, Initiativen und Einzelpersonen seinen Höhepunkt erreicht. Die verschiedenen Plakate schreien ihre Meinung von den Bäumen und Laternenpfählen. Prominente werden ins Feld geführt und kitschige Bilder von zufriedenen Schülern sollen die Wähler auf die eine oder andere Seite ziehen. Jeder der sich für wichtig hält tut seine Meinung kund. Selbst “Die Bild” hat eine Wahlempfehlung abgegeben.

Wer am Ende gewinnt wird sich am Sonntag zeigen. Ich frage mich allerdings ob man sich wegen einer Unterrichtsstunde pro Woche so aufregen sollte, oder ob man sich nicht mal lieber mit der Qualität der 30 anderen Unterrichtsstunden beschäftigen sollte. Bin trotzdem gespannt wie die erste Abstimmung im Superwahljahr ausgeht.

Weitere Informationen gibt es z.B. im Blog “Glaubenskrieg in Berlin”

Informationen zur teilweise fragwürdigen Art für diesen Bürgerentscheid zu werben, finden sich hier auf “Die Erklärung”

.Pro ReliVereintPro Ethik

2 Antworten zu „…im Superwahljahr angekommen“

  1. berlinist sagt:

    Hier gibt es die Ergebnisse: http://www.wahlen-berlin.de/

  2. nosupermom sagt:

    Meine Meinung hierzu: http://nosupermom.wordpress.com/2009/04/24/pro-reli-pro-ethik-oder-was

Einen Kommentar hinterlassen