…geschlossen

„Sieht aus wie Flughafen.“

„Is ja auch.“

Diese Unterhaltung zweier Mädchen in der S-Bahn bringt es ganz gut auf den Punkt. Mitten in Berlin gibt es einen Flughafen, aber irgendwie auch nicht.

Fährt man mit der S-Bahn auf der südlichen Hälfte des Rings ist der Flughafen Tempelhof kaum zu übersehen. Zuerst springt die riesige, eingezäunte Freifläche ins Auge. Mitten im Stadtgebiet plötzlich ein freies Feld. Ein Bekannter hat mir erzählt, er sei in der S-Bahn eingenickt, als er beim Aufwachen das Flugfeld erblickte, fürchtete er für einen Moment, die Stadt bereits verlassen zu haben. Soviel Freifläche gibt es sonst nirgendwo in Berlin. Das erregt Aufmerksamkeit. Man schaut genauer und sieht Betonflächen, die alten Fahrbahnen für die Flugzeuge. Doch vordergründig erscheint es wie eine riesige Wiese.

Dann taucht ein weißer Turm auf. Der Radarturm, welcher wie eine Kugel auf Stelzen aussieht und irgendwie deplatziert wirkt. Einen Moment später entdeckt man das flache, aber riesige Flughafengebäude, dass, laut einem Gerücht, das zweitgrößte Gebäude der Welt sein soll. Ich hab keine Ahnung, ob das stimmt, aber es sieht schon imposant aus.

Bis vor kurzem gab es hier auch noch Flugzeuge. Aber damit ist seit Ende Oktober letzten Jahres Schluss. Am 30.Oktober 2008 wurde Tempelhof geschlossen. Seit langem geplant, war die Schließung auf sehr unterschiedliche Resonanz gestoßen. Die Einen begrüßten sie und hofften auf Lärmreduktion, Kosteneinsparung und eine andere Nutzung der Fläche; die Anderen wollten sie verhindern und den historischen Flughafenstandort erhalten. Nach jahrelangem Hin und Her besiegelte letztlich ein Volksentscheid das Schicksal von Tempelhof. Es gab noch ein paar Abschiedsriten, mit historischen Flugzeugen und Dokumentationen. Doch dann war es so weit: Er wurde geschlossen. Auch wenn das nicht alle gleich mitbekommen haben. So gab es z.B. in der S-Bahn noch Monate nach der Schließung die Ansage „Fahrgäste zum Flughafen Tempelhof steigen bitte hier um.“ Doch auch damit ist nun Schluss.

Nun steht er da. Keine Flugzeuge mehr, aber immer noch ein großes Gebäude und ein weites Feld. Ein richtiges Nutzungskonzept gibt es nicht. Aber, für die Hallen gibt es bereits einige Interessenten. Von der Modemesse Bread&Butter  bis zum Bundespresseball und einigen Museen, gibt es verschiedene Vorstellungen und Ideen. Egal was man von den verschiedenen Veranstaltungen hält, wenigstens wird das Gebäude genutzt.

Ganz anders die Freifläche. Sie liegt brach. Auch hier gibt es zwar Ideen und einen Wettbewerb , aber kein wirkliches Konzept. Außerdem sind die Besitzverhältnisse unklar. Anscheinend gehört nicht die ganze Fläche der Stadt sondern auch der Bund ist beteiligt. Es sieht also so aus, als ob uns die Diskussion um Tempelhof und seine Zukunft noch lange beschäftigen wird.

Im Moment wird die Fläche also gar nicht genutzt. Sie ist nicht einmal zugänglich, sondern ringsherum von einem hohen Zaun mit Stacheldrahtkrone umgeben. Die Sicherheitsvorkehrungen sollen angeblich strenger sein, als zu Zeiten des Flugverkehrs. Viele stört das. War nicht vor der Schließung versprochen worden, die Fläche solle für die Berliner als Naherholungsgebiet nutzbar werden? Danach sieht es in naher Zukunft allerdings nicht aus. Dagegen wendet sich die Aktion „Squat Tempelhof“ die eine Massenbesetzung des Flugfeldes am 20. Juni plant. Damit soll ein Zeichen gegen die zuerwartende Kommerzialisierung, dieser Fläche, gesetzt werden. Sie fordern mehr Bürgerbeteiligung und eine Nutzung des Geländes im Sinne und zum Wohle der Anwohner und der Bevölkerung Berlins. Klingt doch gut! Oder?

Edit sagt: Jetzt gibt es auch noch ein paar Bilder, die ich heute im Vorbeifahren gemacht habe.

4 Antworten zu „…geschlossen“

  1. Fundstück « Tempelhof sagt:

    [...] haben einen schönen Text zur ganzen Tempelhof-Sache und auch unserer Aktion gefunden. [...]

  2. …gespannt auf die kommende Woche « Berlin ist…. sagt:

    [...] des Ex-Flughafens Tempelhof” herum gesprochen. Sie wird in Blogs erwähnt (auch schonmal in meinem), per Aufruf, Aufkleber und Mund-zu Mund Propaganda bekannt gemacht und vorbereitet. Ich bin [...]

  3. berlinist sagt:

    Aktueller Artikel zu Squat Tempelhof:

    http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/zaungaeste-geblieben/
    http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/polizei-schuetzt-wiese-vor-clowns/

  4. …eine Wiese « Berlin ist…. sagt:

    [...] es der Initiative “Squat Tempelhof” nicht gelungen ist, den ehemalige Flughafen zu besetzen, fahre ich wiedermal mit der S-Bahn an einem langen Stacheldrahtzaun entlang und schaue [...]

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